Pressestimmen:
Tageszeitung
Express
Stadtanzeiger 11.10.02
Kölnische Rundschau 16.10.02
taz 16.10.02
Kölner Bühnenstars machen Ernst
Eine berührende Inszenierung von Peter Weiss' "Ermittlung"
als Gegenpol zur Spaßgesellschaft: In einem Hörsaal der Kölner
Universität wird das Stück über den Frankfurter Auschwitz-Prozess
zu einem Exempel über das Böse
Von Erich Huppertz
Es mutet auf den ersten Blick absurd an: Ausgerechnet Comedians wie
Hella von Sinnen oder Dirk Bach lesen "Die Ermittlung", das
"Oratorium in 11 Gesängen" von Peter Weiss. Doch gerade
sie zeigen, dass es heute nicht nur eine "Spaßgesellschaft"
gibt, sie beleben das politische Theater wieder und setzen einen Gegenpol
zu Rassismus und Antisemitismus. Joe Knipp, Chef des Theaters am Sachsenring,
hatte die Idee, und es "meldeten sich mehr, als wir einsetzen konnten",
sagt er. 32 Kölner Bühnenprofis spielen - in wechselnder Zusammensetzung
- mit: von Norbert Alich über Gerd Köster und taz-Kolumnist
Wilfried Schmickler bis Martin Zuhr.
Der Frankfurter
Auschwitz-Prozess Anfang der 60-er Jahre war - nach den Nürnberger
Prozessen - die erste große öffentliche Aufarbeitung der
Nazi-Verbrechen. Vor Gericht standen 18 Männer, alle beteiligt
am größten Massenmord der Geschichte. Weiss nutzte für
sein Theaterstück im Wesentlichen Originalzitate aus den Gerichtsprotokollen.
Für die Kölner Aufführung wurde der Text auf rund zwei
Stunden halbiert.
Zwei Stunden, die
dem Publikum trotz Pause keine Pause lassen, sich von den beschriebenen
Grausamkeiten zu erholen. Im Universitätshörsaal XXV wird
der Prozess zu einer exemplarischen Vorlesung über die Abgründe
der Seele und die jämmerliche Unfähigkeit der Menschen, zu
ihren Taten zu stehen. Am stärksten ist das Stück dann, wenn
auf theatralische Effekte verzichtet wird, allein auf die Kraft der
Worte vor allem der Zeugen - überlebende KZ-Häftlinge und
teils schon verurteilte Täter - vertraut wird, die beim Publikum
die erschütternden Bilder im Kopf entstehen lassen.
Das Stück endet
- sachlich und nüchtern vorgetragen - mit der detaillierten Beschreibung
eines von tausenden Massenmorden: Ankunft des Zuges im KZ, Selektion
der Opfer, Vergasung der "Nicht-Arbeitsfähigen", "Auswertung"
der Leichen nach Haaren, Schmuck und Zahngold, ihre Verbrennung. Innerhalb
weniger Stunden bleibt von 2.000 Menschen nur Asche.
Langsam wird die
Stimme des Zeugen von Klezmermusik überlagert. Benommen von der
Beschreibung einer realen Hölle, gegen die Dantes Inferno wie das
Paradies wirkt, harrt das Publikum auf seinen Sitzen aus, verlässt
dann leise den Saal. Wie könnte man hier angemessen durch Beifall
allen Beteiligten danken? Der Applaus sei hiermit nachgereicht.
"Die Ermittlung":
bis 16. Dezember jeden Montag, 19.30 Uhr, Hörsaal XXV im WiSo-Gebäude
der Universität Köln, Universitätsstr. 24,
Karten: Tel 0221 / 315 015